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«Milch macht müde Männer munter», lautete in den 1950er-Jahren der Werbeslogan der westdeutschen Milchwirtschaft. So oder ähnlich werden vielenorts die Vorzüge der Milch in den Vordergrund gerückt: nahrhaft, reich an Mineralstoffen und Vitaminen. Heute wird jedoch von der Milch mehr erwartet. Denn immer mehr Konsumenten leben ihre persönliche Überzeugung durch ihren Konsum. Umweltschutz, Tierschutz und soziale Verantwortung rücken in den Vordergrund. Das macht die Vermarktung von Milchprodukten anspruchsvoll, bietet aber auch Chancen. Wir sind überzeugt, dass wir mit nachhaltiger Milch unsere Verantwortung gegenüber Mensch und Natur wahrnehmen und unseren Kunden und den Konsumenten einen Mehrwert bieten können, den sie zu honorieren bereit sind.

 

Konsum ist eine Möglichkeit, um seine persönliche Überzeugung zu leben oder auszudrücken. Aus diesem Grund werden immer mehr Anforderungen und Wünsche an Lebensmittel gestellt. Einem Nahrungsmittelhersteller stehen dadurch grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten offen, sich zu positionieren. Für einen Schweizer Milchverarbeiter – und das ist Emmi trotz des beträchtlichen internationalen Engagements noch immer – sind die Möglichkeiten beispielsweise aufgrund des Kostenumfelds etwas eingeschränkt. Dafür kann die Schweizer Milchwirtschaft gewichtige Vorteile in die Waagschale werfen: Tradition, Erfahrung, Qualitätsbewusstsein, strenge Gesetzgebung, Klima und Geografie sind nur einige. Sie alle bergen Potenzial, um nachhaltigkeitsaffine Konsumenten zu erfreuen.

 

Die Milch macht’s aus

Um qualitätsbewusste und nachhaltigkeitsaffine Konsumenten für uns zu gewinnen, unternehmen wir einiges. Insbesondere mit dem Umweltschutz wollen wir als Industrieunternehmen punkten. Objektiv betrachtet steht und fällt die Nachhaltigkeit eines Milchprodukts aber mit der Milch, dem wichtigsten Rohstoff. Einerseits entstehen in der Milchproduktion die grössten Umweltauswirkungen. Andererseits sind die wirtschaftliche Situation der Bauern und das Wohl der Tiere wichtige Nachhaltigkeitsaspekte eines landwirtschaftlichen Rohstoffs.

 

Der Konsument definiert, was nachhaltig ist

Wenn es um die Produktion der Milch geht, dann ist der Bauer der Experte. Da mag es teilweise als störend empfunden werden, wenn ihm – neben dem Gesetzgeber – auch noch der Milchverarbeiter Vorschriften rund um die Milchproduktion macht. Doch Tatsache ist, dass der Konsument entscheidet, was ihm an einem Milchprodukt wichtig ist.

Um herauszufinden, was das ist, hat Emmi auf verschiedenen Wegen die Bedürfnisse der Konsumenten ergründet. Die umfangreichste Erhebung haben Studierende der ETH Zürich 2015 im Rahmen einer von Emmi unterstützten interdisziplinären Projektarbeit gemacht. In der Konsumentenumfrage wurde untersucht, welche Nachhaltigkeitsaspekte der Milchproduktion den Konsumenten am wichtigsten sind. Die Umfrage ergab, dass den Konsumenten die Nachhaltigkeit in der Milchproduktion generell wichtig ist. Am wichtigsten war den Konsumenten der Weidezugang für die Tiere, gefolgt von der Reduktion von Antibiotika und der Haltung der Tiere in Laufställen.

Da wir unsere Milchprodukte nicht nur in der Schweiz vertreiben, interessiert uns selbstverständlich auch die Haltung der Konsumentinnen und Konsumenten im Ausland. Dabei haben wir festgestellt, dass das nachhaltigkeitssensible Konsumentensegment auch in den für Emmi relevanten Auslandsmärkten (USA, Europa, Kanada, Asien) wächst. Wichtiges Thema ist auch dort das Tierwohl, bestehend aus Haltungs- und Fütterungsaspekten. Grosse Bedeutung hat auch die Nahrungsmittelsicherheit, die Transparenz, den Einsatz von Hormonen und Antibiotika sowie Gentechnik umfasst.

Aufgrund des in vielen Teilen tieferen Standards erfüllt der durchschnittliche Schweizer Milchproduktionsbetrieb bereits über weite Strecken die Nachhaltigkeitsansprüche der befragten Exportmärkte. Salopp gesagt: Was den Schweizer Konsumenten zufriedenstellt, taugt auch global.

 

Ganzheitliche Betrachtung ist gefragt

Während für viele Konsumenten einzelne Nachhaltigkeitsaspekte wichtig sind, fordern Experten von Tierschutz- und Umweltschutzorganisationen einen breiten Horizont. Normalerweise führt das zum Schluss, dass man es nie allen recht machen kann, doch für uns ergab sich plötzlich ein ganz klares Bild von der idealen Milchproduktion: die dem Grasland Schweiz angepasste Milchproduktion.

Das impliziert für uns robuste, langlebige, standortangepasste Milchkühe, die viel Auslauf oder Weidegang erhalten und möglichst wenig teures Kraftfutter oder aufwändige Pflege (Arbeit, Medikamente) benötigen, um hauptsächlich für den Menschen unverdauliches Gras in gehaltvolle Milch zu verwandeln.

 

Eine Branche steht zusammen

Die Schweizer Milch schneidet hinsichtlich Nachhaltigkeit im internationalen Vergleich sehr gut ab. Wichtige Gründe hierfür ist das strenge Tierschutzgesetz und die natürlichen Gegebenheiten, die eine graslandbasierte Milchproduktion begünstigen. Dennoch sind wir bei Emmi dezidiert der Meinung, dass es immer Verbesserungspotenzial gibt. Wir haben deshalb in den vergangenen Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass die Schweizer Milchwirtschaft hinsichtlich Nachhaltigkeit einen noch höheren Standard anstreben muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Wir begrüssen es sehr, dass sich die Schweizer Milchbranche nach ausführlichen Verhandlungen auf einen neuen Standard für Schweizer (Kuh-)Milch einigen konnte. Das neue Label „swissmilk green“ kennzeichnet Schweizer Milchprodukte, die höhere Anforderungen hinsichtlich Tierwohl und Umweltschutz erfüllen. Dass „swissmilk green“ ab 2025 für alle Milchbauern verpflichtend ist, erachten wir als zentral. Denn Ausnahmen erschweren eine klare und glaubwürdige Kommunikation.

Mit „swissmilk green“ wurde aus der Sicht von Emmi der richtige Weg eingeschlagen. Nun gilt es, diesen konsequent zu verfolgen, weiterzuentwickeln und beispielsweise auch über einen höheren Standard in der Haltung von anderen milchproduzierenden Tierrassen zu diskutieren.

 

Was darf Nachhaltigkeit kosten?

Diskutiert man über die Milchproduktion, kommt man um das Thema Milchpreis nicht herum, denn vielenorts ist die wirtschaftliche Situation vieler Milchbauern nicht rosig. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Aus unserer Sicht ist Nachhaltigkeit eine Möglichkeit, um ein Milchprodukt mit Mehrwert zu schaffen – Mehrwert für den Konsumenten, der bereit ist, dies mit einem höheren Preis zu belohnen. Und dies kann und soll sich auch in einem höheren Milchpreis niederschlagen. Aus diesem Grund bezahlen wir unseren Milchlieferanten gerne den Zuschlag von 3 Rappen pro Kilogramm nachhaltige Milch.

Für das Gros unserer Schweizer Standard-Milchprodukte müssen wir zusammen mit unseren Milchlieferanten noch einige Anstrengungen unternehmen, um den Konsumenten von der hohen Wertigkeit unseres Rohstoffs Milch zu überzeugen.

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